Ich gehöre nicht zu den Menschen, die mit Hunden aufgewachsen sind. Doch schon als Kind habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als einen Hund. Deshalb las ich bereits Bücher über Hunde, ihre Erziehung und Gesundheit, als andere noch in der „Bravo“ schmökerten. Ich hatte einen Gassi-Hund in der Nachbarschaft, einige Jahre später entstand daraus ein ehrenamtliches Engagement im Tierheim.

Der innige Wunsch nach einem eigenen Hund wurde mir 1994 eher durch Zufall erfüllt – und das Schicksal hatte offenbar einen Plan damit. Dieser Hund kam als Patient in die Tierklinik, in welcher ich arbeitete und sollte dort wegen vielzähliger „Baustellen“ eingeschläfert werden. Im Alter von etwas über einem Jahr.

Schäferhund Connie

Mit der Übernahme dieser Hündin kam eine Herausforderung auf mich zu: mental ziemlich durch den Wind, beidseits schwere ED, angeschlagener Verdauungsapparat, Atopiker – sie war nicht gerade der ideale Hund für einen Ersthundehalter. Connie wurde allen Prognosen zum Trotz etwas über 12 Jahre alt – ganz sicher auch dank ihrer unglaublichen Freude am Leben. Sie gab damals den Anstoß, die Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin zu absolvieren und ihretwegen beschäftigte ich mich intensiv mit schulmedizinischen sowie alternativen Möglichkeiten der Schmerzbehandlung.

Schäferhund Ivo

Der im Alter von 8 Jahren aufgenommene Rüde brachte ein neues Thema mit: schwere Epilepsie. Mit ihm erlebte ich, was es bedeutet, einen Pflegefall rund um die Uhr zu betreuen und trotzdem dafür zu sorgen, dass das Leben für Hund und Halter auch wirklich lebenswert bleibt. Ivo war bis zu seinem Tod nur knapp zwei Jahre bei uns – aber er hat in dieser Zeit einen immensen Beitrag zur Erweiterung meines Horizonts in Sachen Hundewissen geleistet.

Schäferhund Djanna

Der nächste Hund kam mit 2,5 Jahren in idealer Verpackung. Als die Hülle abgestreift war, stellte sich heraus, dass eine mangels Eignung abgebrochene Schutzdienstausbildung deutliche Spuren in Körper und Seele hinterlässt. Djanna war trotz allem immer ein freundlicher Hund, sehr sozial mit anderen Hunden und im Alter einfach nur ein verlässlicher Goldschatz. Die Tatsache, dass sie ebenfalls Atopikerin war und zudem mit einem Cauda Equina-Syndrom zu kämpfen hatte, war der Grund dafür, mich beim nächsten Hund ganz bewusst für eine andere Rasse zu entscheiden.

Australian Cattle Dog Woody

So kam das erste Mal ein Welpe vom ausgesuchten Züchter zu mir. Nach drei „gebrauchten“ Gebrauchshunden wollte ich mir wenigstens einmal im Leben einen Hund ohne Altlasten und einer als besonders robust beschriebenen Rasse gönnen. Doch auch hier kam es anders, als gedacht. Woody stammt zwar aus einem Züchterhaushalt, den man in seiner Vorbildlichkeit lange suchen muss, aber er hat offensichtlich nicht nur gute Gene aus seiner Verwandtschaft geerbt. Nach einer unbeschwerten Welpen- und Junghundezeit befasste ich mich nun also ein weiteres Mal mit dem Thema „Schmerzpatient“ – in diesem Fall ganz besonders mit den Auswirkungen der Schmerzen auf die psychische Verfassung und damit das Verhalten des Hundes. Trotz allem ist er ein fröhlicher, aktiver Hund und "allzeit bereit" zu Spiel, Spaß und Arbeit.

Terrier-Mix Rin

Mittlerweile gehört auch noch ein Terriermix mit zur Familie: hier vereinen sich die gegensätzlichen  Wesenszüge aus robustem Terrier und empfindsamem "Schoßhund" zu gleichen Teilen. Rin kann (wenn es  ihr darauf ankommt) ganz schön austeilen, hat aber auch eine "Prinzessinnenseite". Sie ist ein fröhlicher, unkomplizierter Hund und zum Glück bis zum heutigen Tag ohne größere gesundheitliche Baustellen geblieben.

Jedem meiner Hunde (sowie allen Pflege-, Gast- und Patientenhunden) bin ich zutiefst dankbar für die Aufgaben, die er oder sie für mich mitgebracht hat. Ich habe immer versucht, für den jeweiligen Hund das Beste aus den gegebenen Möglichkeiten herauszuholen. Aber ich bin dabei auch an Grenzen gestoßen – meine eigenen und die des Machbaren.

Die Erfahrung zeigt jedoch: es gibt fast immer irgendeine Möglichkeit, das Leben eines Hundes mit Beeinträchtigungen noch zu verbessern. Und das ist es, was mich dazu motiviert hat, das Projekt PAWPRINT ins Leben zu rufen.